Donnerstag, 4. Dezember 2025 von Eva BUTTAZZONI
„Bist du schon einmal um einen Staat herumgewandert?“
Das waren Rolands Worte, als wir am Tag unserer Ankunft in Rom die hohen Mauern des Vatikans entlangwanderten.
4 Tage Rom und ein Apartment ganz in der Nähe luden uns ein den Vatikan mal zu umrunden, bevor wir für den nächsten Tag Führungen geplant hatten.
Einmal rund um den Vatikan: Mauern, Geschichte und der erste Blick auf den Petersplatz
Der Vatikanstaat ist von Mauern umgeben
Die Grenze des Vatikanstaates ist etwa 3,2 km lang und folgt größtenteils der Leoninischen Mauer
Es fühlt sich fast surreal an, wenn man beginnt, den Vatikan zu Fuß zu umrunden. Man läuft an einer Ziegelmauer entlang, gebaut mit diesen typischen kleinen Ziegeln, die man bei den 2000 Jahre alten Ruinen in Pompeji ebenso findet, wie bei den Tempeln im Forum Romanum. Auf den ersten Blick wirkt sie gar nicht alt, aber in Wahrheit steht sie seit über einem Jahrtausend hier. Die ältesten Abschnitte stammen aus dem 9. Jahrhundert, als Papst Leo IV. nach schweren Überfällen eine wehrhafte Schutzmauer errichten ließ. Heute wirkt sie ruhig und solide, doch sie erzählt von einer Zeit, in der Rom ständig bedroht war und die Kirche um ihr Zentrum kämpfen musste.
Gerade mal 3,2 km ist sie lang, dann hat man den Vatikan mit seiner Fläche von 0,44 km2 umrundet. Dieses Verhältnis von einem dermaßen kleinen Staat, gelegen inmitten einer Stadt gemessen an seiner Macht und seinem Einfluss auf der ganzen Welt ist für den Kopf schwer zu erfassen.
Viele Gedanken gingen uns durch den Kopf, während wir die Mauer entlanggingen. Wir bestaunten nicht nur ihre massive Bauweise, wir entdeckten auch, dass sie mal niedriger, mal gewaltig hoch, bis zu zwanzig Metern, dastand. Das rührt daher, dass die Mauer über mehrere Jahrhunderte hinweg errichtet wurde.
Papst Leo IV. (847–855) ließ die sogenannte Leoninische Mauer errichten, um die Basilika St. Peter nach arabischen Plünderungen zu schützen.
Später kamen Renaissance- und Barock-Ergänzungen hinzu, insbesondere nach 1500, als der heutige Vatikanstaat baulich Formen annahm.
Ein unerwarteter Moment: der vatikanische Bahnhof
Einfahrt zum Vatikanischen Bahnhof
Bahnhof Vatikan von außen
So ließen wir das Bauwerk auf uns einwirken, bis wir auf der Rückseite des Vatikans plötzlich auf ein Tor stießen, das anders aussieht als der Rest der Mauer: ein großes, graues Portal mit Schienen, die direkt hineinführen.
Wir standen vor dem Tor zum Vatikanischen Bahnhof, dem Bahnhof Città del Vaticano, der Bahnhof der Vatikanstadt - eröffnet 1934 unter Papst Pius XI. Er sollte einst den Güter- und gelegentlichen Personenverkehr erleichtern, ist heute aber mehr Symbol als Verkehrsknoten. Die Schienen führen aus dem römischen Netz direkt durch dieses Tor in den Vatikan. Heute nutzt der Papst wohl nur noch den Hubschrauber, doch beim Vorbeigehen wirkt das alles ein wenig wie ein geheimer Zugang zu einer verborgenen Welt.
Papst Johannes Paul II. nutzte die Bahn wenige Male als Ausgangs- und Endpunkt von Reisen innerhalb Italiens.
Papst Benedikt XVI. nutzte am 27. Oktober 2011 den Bahnhof anlässlich seiner Zugfahrt nach Assisi zum Weltfriedenstreffen.
Vom geschlossenen Mauerring zur großen Öffnung
Ursprünglich war die Mauer ein geschlossener Ring, der später wieder geöffnet wurde. In einem Moment geht man eine stille, wehrhafte Mauer entlang, im nächsten öffnet sich alles. Man tritt aus einer relativ engen Gasse heraus und steht auf einmal am Rande des Petersplatzes. Der Kontrast könnte kaum größer sein.
Der erste Blick auf den Petersplatz: ein Moment, der hängen bleibt
Der Petersplatz
Im Zentrum der Macht des Christentums
Egal wie viele Fotos man gesehen hat, der erste reale Blick ist beeindruckend. Die Größe, die Weite, die Proportionen – alles wirkt so monumental, dass man unwillkürlich stehen bleibt. Der Platz, entworfen von Bernini im 17. Jahrhundert, empfängt einen mit seinen kolossalen Säulenarmen. Diese vier Reihen aus mächtigen Travertinsäulen bilden zwei Halbkreise, die sich wie schützende Arme öffnen. Die Symbolik ist klar: Die Kirche streckt die Arme aus, um die Welt zu umschließen. Und wenn man direkt davorsteht, versteht man, warum Bernini als einer der größten Gestalter seiner Zeit gilt.
In der Mitte ragt der alte ägyptische Obelisk in den Himmel, ein stiller Zeuge aus der Antike, der heute den Platz strukturiert. Und dahinter – fast übermächtig – zeichnet sich die Fassade des Petersdoms ab. Wenn man ihn zum ersten Mal sieht, wirkt er fast unwirklich groß. Die Details, die Symmetrien und die Kuppel, die Michelangelo gestaltet hat, scheinen jedes Gefühl für Maßstab zu verschieben. Alles ist größer, pompöser, gewichtiger, als man es erwartet.
Mittlerweile war es dunkel geworden, der Vollmond erleuchtete den Platz und wir mussten einfach noch bleiben, alles auf uns einwirken lassen, um auch nur annähernd zu begreifen – Wir sind hier, in Rom, im Vatikan. Wir stehen auf dem Boden, wo Petrus begraben liegt, im Zentrum der Macht des Christentums – ein seltsames und unwirkliches Gefühl…
Besuch im vatikanischen Postamt am Petersplatz
Der gelbe vatikanische Briefkasten
Mal sehen, wie lange es dauert bis die Post zu Hause ankommt
Ach ja, solltest du jemals den Vatikan besuchen, lohnt sich ein Abstecher zum vatikanischen Postamt, direkt am Platz – Zwei Schalter, eingebettet in einen Souvenirshop. Schon vor dem Eingang merkt man, dass viele Besucher genau wegen einer Sache kommen: den Vatikanmarken. Für Sammler ist das Postamt fast ein Pflichtstopp.
Im Inneren begegnet man einer Mischung aus Touristentrubel und sachlicher Postatmosphäre. An den Schaltern kann man Marken kaufen, Postkarten schreiben und sich die eigenen Sendungen direkt mit dem offiziellen Vatikanischen Poststempel versehen lassen.
Das ist etwas, das du einmal im Leben tust, eine Postkarte aus dem Vatikan versenden. Und das taten wir natürlich auch, es gehört dazu. Ein kleines, besonderes Erlebnis, zu dem es auch gehört, die Karte in den gelben vatikanischen Briefkasten direkt vor dem Gebäude zu werfen. Mal sehen, wie die berühmte Zuverlässigkeit des Vatikans beim hauseigenen Postamt funktioniert und wie schnell die Post ihr Ziel erreicht…
Euromünzen aus dem kleinsten Staat Europas
Und wenn dich Münzen interessieren und du schon mal im vatikanischen Postamt bist, dann frage nach den vatikanischen Euromünzen. Seit der Einführung des Euro prägt der Vatikan eigene Münzsätze – allerdings in streng begrenzter Auflage. Sie zeigen auf der Vorderseite das Porträt des jeweils amtierenden Papstes oder, in der Zeit nach einem Papstrücktritt bzw. Todesfall, ein neutrales Wappenmotiv. Weil die Ausgaben so limitiert sind, gelten viele Münzen als begehrte Sammlerstücke und erzielen teils deutlich höhere Preise als ihr Nennwert.
Im Shop kann man sie kaufen, im Set mit Briefmarke, oder einzelne Euros, auch für Nicht-Sammler ein schönes Andenken an den Besuch im Vatikan.
unser Video über 4 Tage in Rom/Vatikan
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