Freitag, 5. Dezember 2025 von Eva BUTTAZZONI
Staunen, Ehrfurcht und ein bisschen Skepsis: Unsere geführten Touren durch den Vatikan
Wir hatten uns fest vorgenommen, den Vatikan nicht einfach „abzuhaken“ – keine schnellen Fotos, keine flüchtigen Eindrücke. Zwei aufeinanderfolgende geführte Touren sollten uns in die Tiefen von Petersdom, Kuppel, Gräbern, Sixtinischer Kapelle und den Vatikanischen Museen führen. Schon beim Betreten der Vatikanstadt spürt man: Hier geht es um mehr als Religion, es geht um Geschichte, Macht und Kunst in einem Ausmaß, das fast nicht fassbar ist.
Der Petersdom – Prunk in Mosaik
Der Petersdom
Über 100 Meter lang und 45 Meter hoch
Der erste Schritt in den Petersdom ließ uns kurz sprachlos stehen. Die Dimensionen sind überwältigend: Über 100 Meter lang, 45 Meter hoch – und jeder Zentimeter erzählt von der Vision von Bramante, Michelangelo, Maderno und Bernini.
Unser Guide erzählte uns, dass fast alle Kunstwerke hier – die „Gemälde“, die Altäre und Statuen bis hin zu den Deckenverzierungen – aus feinsten Mosaiken bestehen. Das bedeutet, dass jede Farbe, jede Schattierung aus unzähligen winzigen Mosaiksteinchen zusammengesetzt wurde. Mit freiem Auge ist das kaum zu erkennen, so genau und fein wurde hier gearbeitet. Man steht da ist vollkommen beeindruckt und fragt sich gleichzeitig: Bewundern wir Kunst, oder den Reichtum und die Macht der Kirche?
Die Gräber und die merkwürdigen Traditionen
Grotte Vaticane (Vatikanische Grotten)
Die Krypten unter dem Petersdom sind ein stiller Kontrast zum glanzvollen Hauptbau.
Teil der Führung war auch ein Besuch der „Grotte Vaticane“ (Vatikanische Grotten). Die Krypten unter dem Petersdom sind ein stiller Kontrast zum glanzvollen Hauptbau.
Hier liegt das Grab des Heiligen Petrus. Zwar ist der Zutritt für Touristen nicht gestattet, doch der Blick durch die Glaswand in den prunkvoll gestalteten Raum des Petrusgrabes ist beeindruckend. Das Gefühl, dem Begründer der christlichen Kirche hier so nah zu sein, ist ein besonderes.
Und hier sind auch die Päpste begraben, die nicht im Petersdom selbst liegen. Manche in kunstvollen Sarkophagen, andere in einfachen Gräbern. Die Tradition, einige Päpste zu mumifizieren und in Glasbehältern öffentlich auszustellen, mutet sehr eigenartig an.
„Johannes Paul II. oder auch Benedikt XVI. werden auf diese Weise zur Verehrung ausgestellt, um den Gläubigen die Möglichkeit zur Betrachtung zu geben, bevor sie ihre endgültige Ruhestätte finden, was eine Tradition der Sichtbarkeit und Nähe zur Gemeinde darstellt“ – ist dazu als Erklärung im Internet zu finden.
Papst Franziskus folgte dieser Tradition übrigens nicht. Er wurde auf eigenen Wunsch in der päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore in Rom beigesetzt und zwar in einer Grabnische im Seitenschiff. Er entschied sich für einen schlichteren Sarg und ein Grab unter der Erde, eine Vereinfachung des Bestattungsritus, die er selbst genehmigt hatte, um seine Bescheidenheit zu unterstreichen. Sein Grab ist aber ebenfalls für Pilger zugänglich.
Das Grab des Heiligen Petrus
Seit dem 2. Jahrhundert wird dort, wo zuvor der Circus des Caligula und des Nero war, das Grab des Heiligen Petrus verehrt. Zwischen 160 und 180 n. Chr. wurde es innerhalb der Nekropole an der Via Cornelia durch ein Grabmal besonders hervorgehoben. Seither ist das Apostelgrab Ziel von Pilgern aus aller Herren Länder. Bereits zu Beginn des vierten Jahrhunderts ließ Kaiser Konstantin über dem Grab eine Basilika errichten, von der nur noch Ausstattungsdetails vorhanden sind und die wir als Alt-Sankt-Peter bezeichnen.
Die Kuppel – der Blick über Rom
Die Kuppel vom Petersdom
Die Kuppel des Petersdoms ist das ikonische Wahrzeichen Roms, ein architektonisches Meisterwerk von Michelangelo
Das erste Stück zur Kuppel hinauf führt ein Aufzug, wenn man nicht alle 551 Stufen zu Fuß bewältigen mag. Mit dem Aufzug erreicht man die Höhe, auf der man die Kuppel auf einem Rundgang von innen betrachten und auf die Menschen im Kirchenschiff hinunterblicken kann. Ein Blick zur Kuppel hinauf wirkt monumental, ein Blick hinunter in das mächtige Kirchenschiff, lässt die Menschen unten wie Ameisen erscheinen. Dieses Gefühl hier zu stehen ist schwer zu beschreiben. Du spürst alles auf einmal -Macht, Pracht, wunderbare Architektur, Kunst, Schönheit und gebaut für die Ewigkeit.
Ca. 320 Stufen sind dann noch zu steigen, um die Aussichtsplattform ganz oben auf der Kuppel zu erreichen. Über enge Stufen und schmale Räume, deren Wände sich der Form der Kuppel anpassen geht es hinauf. Je höher wir kamen, desto mehr öffnete sich uns der Blick über den Petersplatz und die Dächer Roms.
Ich kann nur sagen, solltest du jemals nach Rom fahren und den Vatikan besuchen, lass die Kuppel des Petersdoms nicht aus. Es ist ein einzigartiges Erlebnis.
Warum sollte man die Kuppel des Petersdoms besuchen?
Den Aufstieg zur Kuppel des Petersdoms zu wagen, bedeutet mehr als nur eine gute Aussicht zu genießen – es ist eine transformierende Reise durch Geschichte, Kunst und Stadtlandschaft, bei der jeder Schritt vom Erbe der Renaissance durchdrungen ist. Vor allem aber bietet die Kuppel einen unvergleichlichen 360°-Panoramablick. Sobald man die Terrasse auf dem Gipfel betritt, entfaltet sich die Ewige Stadt unter den Füßen – ockerfarbene Dächer, Kuppeln, antike Ruinen und das silberne Band des Tiber, das sich hindurchschlängelt.
Vatikanische Museen – ein Spaziergang durch Jahrtausende
Die Vatikanischen Museen
Die Vatikanischen Museen entstanden mit den Werken aus dem Privatbesitz von Julius II., der nach seiner Wahl zum Papst 1503 die Sammlung in den Cortile Ottagono bringen ließ.
Die anschließende Führung durch die Vatikanischen Museen war nach der Pracht des Petersdoms für uns etwas weniger beeindruckend. Wir waren verwundert, wie hoch der Andrang und die Warteschlange vor dem Museum war. Mit unserer Tour hatten wir das Privileg der Fastline und unser Guide beschrieb uns, was wir hier ausgestellt sahen.
Viele Statuen, die von vielen Gegenden zusammengetragen worden waren, wir sahen die hohe Teppichkunst des damaligen Roms, wo Gemälde in riesigen, feinst geknüpften Teppichen verewigten worden waren. Und wirklich interessant fanden wir die lange Galerie mit ihrer prächtigen goldenen Decke, an deren Seitenwänden die Städte und Landstriche des Italiens der damaligen Zeit abgebildet waren.
Von ägyptischen Skulpturen über etruskische Artefakte bis zu Renaissance-Meisterwerken – eine bunte Mischung durch Zeiten und Kulturen, das sind die Vatikanischen Museen.
Die Sixtinische Kapelle – das Finale der Emotionen
Das Jüngste Gericht
Die großartige Komposition, die Michelangelo in den Jahren zwischen 1536-1541 ausführte, konzentriert sich ganz auf die dominierende Figur Christi, der in dem Augenblick unmittelbar vor dem Urteilsspruch des Jüngsten Gerichts festgehalten ist
Dann kam der Moment, auf den alle gewartet hatten: die Sixtinische Kapelle. Michelangelos Deckenfresken und das Jüngste Gericht lassen sich kaum mit Worten beschreiben. Die Details, die Farbintensität, die Bewegung in jeder Figur – man ist überwältigt. Gleichzeitig stößt man auf die Spannungen in den Darstellungen. Macht, Schuld, Gnade und menschliche Zerbrechlichkeit – all das in einem Raum, der täglich von tausenden Menschen besucht wird.
Jüngstes Gericht
Wenn wir vor dem Jüngsten Gericht stehen, geblendet von seiner Herrlichkeit und dem Schrecken, bewundern wir auf der einen Seite die glorifizierten Körper und auf der anderen die ewig Verdammten. Dann begreifen wir auch die Gesamtansicht, die ganz von einem einzigartigen Licht und einer einzigartigen künstlerischen Logik durchflutet wird: das Licht und die Logik des Glaubens, die die Kirche im Gebet verkündet: Ich glaube an einen einzigen Gott... den Schöpfer des Himmels und der Erde und aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge (aus der Homilie des Heiligen Vaters Johannes Paul II. am 8. April 1994).
Fazit – Staunen mit kritischem Blick
Die beiden Touren durch Petersdom, Kuppel, Gräber, Vatikanische Museen und Sixtinische Kapelle waren intensiv, sehr informativ und absolut beeindruckend und würde ich eine Empfehlung abgeben, so würde ich sagen, buche eine geführte Tour, denn dann wird das, was du siehst zu einer Geschichte in deinem Kopf. Und du wirst auf Details hingewiesen, die du sonst nicht sehen würdest. Eines dieser zwar unwichtigen Dinge, die mir aber sicherlich für immer im Kopf bleiben werden: Wenn man im Inneren des Petersdoms steht und zur Kuppel hinaufblickt, sieht man eine Inschrift. Man denkt sich nichts dabei, dass sie von unten lesbar ist. Dass jeder der Buchstaben 1,5m hoch und ein Mosaik ist, ist dann doch sehr beeindruckend…
unser Video über 4 Tage in Rom/Vatikan
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