Samstag, 6. Dezember 2025 von Eva BUTTAZZONI
Eine Reise in das Herz des antiken Rom
Am 3. Tag stand für uns ein weiterer eindrucksvoller Programmpunkt unserer Romreise auf dem Plan: eine geführte Tour durch das Forum Romanum, das politische, religiöse und wirtschaftliche Zentrum des antiken Roms und das direkt daneben liegende Kolosseum, inklusive der unterirdischen Bereiche (Hypogäum), in denen einst Tiere und Gladiatoren auf ihren Einsatz warteten, sowie ein anschließender Rundgang durch den Zuschauer Bereich.
Forum Romanum und Kolosseum –
im Hintergrund das Kolosseum
Gleich bei der Station war auch der Treffpunkt für unsere geführte Tour durch das Forum Romanum und dem Kolosseum
eine Führung in die Geschichte des Römischen Reichs
Wir nahmen die U-Bahn (Metro), die sehr praktisch ist, denn sie hat bei allen Plätzen, die ein Tourist in Rom sehen möchte, eine Station. So auch beim Kolosseum. Du steigst aus und hast bereits einen Blick auf dieses monumentale Gebäude, das immer noch atemberaubend gut erhalten dasteht – nach 2000 Jahren…
Oft, wenn wir in der Zeit zurückdenken, haben wir das Gefühl, wir sind so herausragend viel moderner und „weiter“, als die Menschen damals. In Rom erkennst du, es gab schon lange vor unserer Zeit Präzision, exakte Architektur und vor allem diesen Gedanken für die Ewigkeit zu bauen.
Gleich bei der Station war auch der Treffpunkt für unsere geführte Tour, nicht der angenehmste Platz, überall versuchten Händler mit Armbändern, Powerbanks oder anderen Kleinigkeiten, Touristen in Gespräche zu verwickeln und mit geschickten Methoden ein schlechtes Gewissen zu erzeugen um auf dieses Weise zu Geld zu kommen. Aber auch das gehört zu Rom dazu und man hat ja immer die Möglichkeit nein zu sagen…
Dann ging es endlich los. Unser Guide – eine junge Italienerin – sprach in einem unglaublichen Tempo und non-stop während der dreistündigen Führung (die Tour war nur auf Englisch buchbar gewesen) und begann bereits auf dem Weg zum Forum Romanum mit Geschichten über Romulus und Remus und die sagenumwobene Gründung Roms. Kurz darauf standen wir vor den Sicherheitskontrollen.
Forum Romanum und Kolosseum sind heute besser gesichert als mancher Flughafen: Nur mit Personalausweis und einem personalisierten Ticket kommt man hinein. Rucksäcke werden durchleuchtet, man selbst ebenfalls – und diese Kontrollen begleiten einen mehrfach, je nachdem, welchen Bereich man gebucht hat.
Das Forum Romanum – Zentrum einer Weltmacht
Basilica Julia und Basilica Aemilia
Große öffentliche Hallen, genutzt für Gerichtsverhandlungen, Geschäfte und politische Treffen. Sie zeigen, dass das Forum auch ein Ort des Alltags war.
Das Forum Romanum liegt nur einige Schritte entfernt vom Kolosseum. Es ist der historische Kern Roms und wir wollten es auf unserer Romreise unbedingt gesehen haben. Ich kenne keine Stadt in Europa, die noch so präsente Zeugnisse der Geschichte so präsent und greifbar dastehen hat. Das Forum Romanum war über Jahrhunderte das politische, religiöse und wirtschaftliche Herz des Reiches.
Leider kann man sich nicht alles merken, bei der Fülle an Information, die man bei jedem Bauwerk erhält, darum habe ich das Internet gebeten, mich ein wenig mit Informationen zu unterstützen:
GESCHICHTE IN SCHICHTEN
Ursprünglich war das Gebiet ein sumpfiges Tal. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. wurde es entwässert und entwickelt. Mit der Ausdehnung Roms wuchs auch das Forum – Tempel, Basiliken und Triumphbögen kamen hinzu. Jede Epoche hinterließ ihre Spuren.
Wichtige Bauwerke und ihre Bedeutung
Die Ermordung Caesars – eine Geschichte von Macht, Angst und Verrat
Largo di Torre Argentina liegt nicht im Forum Romanum
Julius Cäsar wurde am 15. März 44 v. Chr. im Largo di Torre Argentina in Rom ermordet, genauer gesagt in einem Saal der Kurie des Pompeius, die Teil eines größeren Gebäudekomplexes war und sich heute in den Ruinen dieses Platzes befindet
Natürlich führte unser Rundgang durchs Forum Romanum auch zu dem Ort, wo Julius Caesars Leiche verbrannt wurde. Heute, an der Stelle des Tempels des Divus Iulius, liegt noch immer ein Altar. Menschen legen Blumen nieder, zünden Kerzen an. Ein unscheinbarer Platz heute, der einen spektakulären Wendepunkt in der Geschichte des römischen Reichs markiert.
DIE GESCHICHTE DAHINTER:
Julius Caesar war am Höhepunkt seiner Macht, als er starb. Nach Jahren des Bürgerkriegs war er 44 v. Chr. zum Diktator auf Lebenszeit ernannt worden – ein Titel, der in Rom alte Ängste weckte. Denn die Römer hatten ihre Könige einst verjagt und die Republik gegründet, um nie wieder von einem Alleinherrscher regiert zu werden.
Genau aus dieser Angst heraus formierte sich eine Gruppe von Senatoren. Sie sahen in Caesar keinen Retter des Staates mehr, sondern eine Bedrohung für die Freiheit der Republik. Angeführt wurde die Verschwörung von Gaius Cassius und Marcus Junius Brutus – ausgerechnet Brutus, den Caesar schätzte und dem er vertraute. Für viele Römer war er das Symbol republikanischer Tugend. Dass gerade er das Messer hob, machte den Verrat legendär.
Am 15. März 44 v. Chr., den berühmten Iden des März, lockten sie Caesar in den Senat. Dort stachen sie mehrfach auf ihn ein. Der Überlieferung nach soll Caesar, als er Brutus erkannte, nur noch gesagt haben: „Auch du, mein Sohn?“ – ein Satz, der bis heute als Inbegriff des politischen Verrats gilt.
Doch die Mörder hatten sich verrechnet
Tempels des Divus Iulius
Heute, an der Stelle des Tempels des Divus Iulius, liegt noch immer ein Altar. Hier wurde Julius Caesar verbrannt
Sie glaubten, das Volk würde sie als Befreier feiern. Stattdessen folgte Chaos. Bei der öffentlichen Trauerfeier im Forum trat Marcus Antonius, Caesars engster Vertrauter, vor die Menge. Seine Rede war kein wütender Angriff, sondern eine meisterhafte Inszenierung: Er sprach nicht von Rache, sondern von Caesars Verdiensten. Er erinnerte daran, wie Caesar dem Volk Land, Geld und Rechte gegeben hatte. Und dann zeigte er – so berichten die Quellen – den blutdurchtränkten Mantel des Ermordeten.
DIE STIMMUNG KIPPTE
Aus Trauer wurde Zorn. Aus Zorn Gewalt. Das Volk verbrannte Caesars Leichnam genau hier, im Forum, und machte Jagd auf die Verschwörer. Was als Mord zur Rettung der Republik gedacht war, wurde ihr Anfang vom Ende.
Die Geschichten, die hinter den einzelnen Bauwerken des Forum Romanum stehen, würden ein Buch füllen, die Informationen, die wir erhielten, sprengen jeden Blogbeitrag. Unsere Köpfe waren voll und doch waren wir gespannt auf das Kolosseum, das uns nun noch erwartete.
Wieder Sicherheitskontrollen und Menschenschlangen auf dem Weg ins Kolosseum. Doch mit der geführten Tour hatten wir nur kurze Wartezeiten.
Tempel des Divus Iulius
Das Hypogäum, der unterirdische Teil des Kolosseums
Das Kolosseum, offiziell Amphitheatrum Flavium
wurde zwischen 72 und 80 n. Chr. erbaut
Der erste Punkt auf unserer Tour im Kolosseum war das Hypogäum. Es ist der unterirdische Teil des Kolosseums, der ausschließlich im Rahmen geführter Touren zugänglich ist.
Bevor wir gemeinsam hinabsteigen, ein paar Eckdaten über das Kolosseum und seine Geschichte, die den Besuch noch interessanter machen, weil du weißt „Ich stehe mitten in der Geschichte Roms“.
ECKDATEN UND BAUGESCHICHTE DES KOLOSSEUM
Das Kolosseum, offiziell Amphitheatrum Flavium, wurde zwischen 72 und 80 n. Chr. erbaut. Auftraggeber war Kaiser Vespasian, fertiggestellt wurde es unter seinem Sohn Titus. Allein diese kurze Bauzeit ist beeindruckend, wenn man die Dimensionen betrachtet: Das größte Amphitheater der römischen Welt bot Platz für rund 50.000 bis 65.000 Zuschauer.
Der Bau war jedoch nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch ein politisches Statement. Auf diesem Gelände hatte sich zuvor ein Teil der prunkvollen Domus Aurea von Kaiser Nero befunden. Mit dem Kolosseum gab die neue flavische Dynastie diesen Raum bewusst „dem Volk zurück“ – ein starkes Symbol nach Neros verschwenderischer Herrschaft.
Das Hypogäum, der unterirdische Teil des Kolosseum
Schon beim Betreten erkennt man, wie durchdacht alles war, nummerierte Eingänge, eine strenge Sitzordnung nach sozialem Stand und ein ausgeklügeltes System, das es erlaubte, das Gebäude in wenigen Minuten zu räumen. Massenmanagement war im alten Rom kein Zufall, sondern Planung.
Brot und Spiele – warum hier gekämpft wurde
Unterschiedliche Gladiatorentypen
traten gegeneinander an, mit genau definierter Ausrüstung und genauen Vorgaben.
Die Spiele im Kolosseum dienten nicht nur der Unterhaltung. Sie waren ein zentrales Instrument römischer Politik.
▪ Kaiser und Politiker stellten sich als großzügige Wohltäter dar
▪ Das Volk wurde beschäftigt und von sozialen Spannungen abgelenkt (panem et circenses)
▪ Viele Spiele hatten religiöse Hintergründe und fanden an Festtagen statt
Zur Eröffnung unter Kaiser Titus sollen die Spiele ganze 100 Tage gedauert haben – mit unzähligen Tier- und Gladiatorenkämpfen.
GLADIATOREN – ZWISCHEN ZWANG, RUHM UND ÜBERLEBEN
Gladiatoren waren weit mehr als bloße Opfer. Zwar stammten viele aus der Sklaverei oder aus Kriegsgefangenschaft, doch es gab auch freie Männer, die sich freiwillig meldeten – aus Geldnot, aus Ehrgeiz oder in der Hoffnung auf Ruhm.
Sie waren die Stars ihrer Zeit. Es gab Graffiti mit ihren Namen, kleine Souvenirs und leidenschaftliche Fans. Die Kämpfe selbst folgten festen Regeln: Unterschiedliche Gladiatorentypen traten gegeneinander an, mit genau definierter Ausrüstung und klaren Vorgaben. Der Tod war nicht zwingend das Ziel – ein erfahrener Gladiator war wertvoll.
Neben den Gladiatorenkämpfen fanden auch die sogenannten venationes statt: spektakuläre Tierhetzen mit Löwen, Tigern, Bären und anderen exotischen Tieren aus den Provinzen des Reiches. Sie sollten zeigen, dass Rom nicht nur Menschen, sondern auch die Natur beherrschte.
DAS HYPOGÄUM– DIE VERBORGENE MASCHINERIE UNTER DER ARENA
All das und viel mehr erfuhren wir, während wir das Hypogäum, den Bereich unter der Arena erkundeten. Es ist ein komplexes System aus Gängen, Käfigen, Aufzügen und Vorratsräumen. Jedem Guide wird ein bestimmtes Zeitfenster für den Besuch zur Verfügung gestellt, sodass wir uns allein hier unten befanden.
Hier warteten die Gladiatoren auf ihren Einsatz. Tiere wurden in engen Käfigen gehalten, bereit, über ausgeklügelte Hebevorrichtungen plötzlich und an unvorhersehbaren Orten in der Arena zu erscheinen. Für das Publikum oben war das ein spektakulärer Überraschungseffekt – für die Menschen und Tiere hier unten der Moment vor dem Kampf ums Überleben.
Grausamkeit und Sensationslust
Blick von oben auf die Arena
Ein Rundgang der noch mal demonstriert, WIE mächtig dieses Bauwerk war und immer noch ist.
Wenn man durch diese dunklen Gänge geht, wird einem bewusst, wie perfekt durchorganisiert diese Spiele waren – und wie gnadenlos zugleich. Zu tief mag man in diese Zeit nicht eintauchen, so viel Grausamkeit, so viel Sensationslust, solch eine Machtdemonstration. Für mich unvorstellbar, dass man daran Gefallen finden konnte. Trotzdem war es absolut interessant diesen Teil des Kolosseums gesehen zu haben und auch den Blick von ganz unten nach ganz oben in die letzten Zuschauerreihen erhascht zu haben.
Danach ging es nach oben in den Bereich der Zuschauer, ein Blick von oben auf die Arena, vorbei an Bereichen, wo die wohlhabenden Römer ihre Namen in Marmor gemeißelt hatten zur Kennzeichnung ihrer reservierten Sitzplätze. Ein Rundgang der noch mal demonstriert, WIE mächtig dieses Bauwerk war und immer noch ist.
FAZIT:
Wenn du dich für das Forum Romanum und das Kolosseum interessierst, mach eine geführte Tour, es lohnt sich, vor allem auch wegen des Besuchs des Hypogäums.
unsere Tipps:
-
Anreise zum Kolosseum bzw. Forum Romanum
Anreise öffentlich mit der Metro Linie B, Ausstieg Colosseo
-
Tour Guide buchen
GetYourGuide ist ein zuverlässiger Anbieter. Möglichst zeitig buchen, vor allem in der Hauptsaison, weil die Tickets sehr schnell vergriffen sein können. Es gibt viele Variationen von Touren.
-
Via dei Fori Imperiali
Lass dich dann noch durch die „Via dei Fori Imperiali" treiben, sie bietet fantastische Blicke auf das Kolosseum und ist zugleich ein Mahnmal. Gebaut von Mussolini, in monumentaler Breite, schlug er mit dem Bau eine riesige Schneise durch den alten Stadtkern, enteignete und zerstörte. Aber das wäre Stoff für einen eigenen Blogbeitrag…
unser Video über das Forum Romanun und Kolosseum
Dieser Inhalt kann leider nicht angezeigt werden, da Sie der Speicherung der für die Darstellung notwendigen Cookies widersprochen haben. In den Einstellungen erfahren Sie mehr über die Nutzung von Cookies auf dieser Seite und können Ihre Präferenzen detailliert anpassen.