Ist Pompeji einen Besuch wert? Für Menschen, die einen Blick in die Vergangenheit werfen wollen und ein wenig Vorstellungsvermögen haben - auf jeden Fall!
Man kann sich gut auf den Besuch vorbereiten, indem man sich einliest und doch sind es nur Ruinen und Überreste, die man schwer identifizieren kann, wenn man niemanden hat, der das Bild der Stadt, die Kultur, die Kunst und das Alltagsleben beschreibt.
Darum buchten wir einen Guide über „Askos Tours“. Eintritt und Führung für 2 Stunden sind mit knapp
€ 50,- nicht billig und doch würden wir es wieder so machen. Wir hatten eine sehr sympathische Reiseführerin, die die Stadt vor unseren Augen lebendig werden ließ. Ob es die über 2000 Jahre alten „Zebrastreifen waren“, etwa 40 cm hohe große Steine, die mit Abständen über die niedriger gebaute Straße führten, damit man nicht im Schmutz der Straße gehen musste, ob es die ersten „Fast Food“ – Take Away Küchen waren, die allerorts in den kleinen Geschäftslokalen zu sehen waren, die Villen mit ihren wunderbaren Wandmalereien und Gärten oder die Thermen, die für Männer und Frauen getrennt zu besuchen waren.
Viele Details, wie Graffitis an den Wänden, die zeigen, dass bereits damals bekannt war, wie man
wie man Werbungen macht, oder Phallussymbole, die zu den insgesamt dreißig Freudenhäusern der Stadt führten machten die Führung bunt und malten das Bild einer Stadt, die bunt, laut und lebendig war, die viel Komfort bot und gleichzeitig wohl sehr schmutzig war, die nur mit der Arbeit von Sklaven so florieren konnte und in der Frauen auf der einen Seite weniger wert als Männer waren und doch Schulbildung genossen, um den Haushalt und das Personal zu führen, für die Erziehung der Kinder zu sorgen, Hochzeiten auszurichten und das tägliche Leben zu organisieren.
Nach der zweistündigen Führung hatten wir ein Bild, auch ein Bild des Aufbaus der Stadt, die beim Ausbruch des Vesuvs wohl an die 20.000 Einwohner hatte.
So erkundeten wir sie dann auf eigene Faust weiter. Im Nachhinein ist es immer noch etwas schwer zu erfassen, wie modern, wie großzügig und prunkvoll damals in Pompeji das Leben bereits war, während wir im nördlicheren Europa in einfachen kleinen Behausungen und kleinen Dorfverbänden lebten.
Schwer nachvollziehbar ist auch das Leben in großen Villen, die zum Teil sogar ihre eigenen Thermen hatten, um dann wiederum den Aufbau der Straßen zu sehen, die offensichtlich so verschmutzt waren, dass man erhöhte „Zebrastreifen“ zu ihrer Überquerung baute. Die Radspuren der Kutschen sind immer noch tief eingegraben in den Stein.
Wie laut muss es in dieser Stadt gewesen sein, wie geschäftig das Treiben, eine Handelsstadt am Fuße des Vesuvs, der damals noch über 2.000m hoch war und mit seiner Explosion die Hälfte seiner Höhe verlor und die Stadt unter eine bis zu sechs Meter hohe Schicht aus Asche und Bimsstein begrub.
Auch dass das Meer damals nur ein paar Hundert Meter vor der Stadt lag und im Hafen Handelsschiffe lagen, die die Kaufleute in der Stadt reich machten, während es heute gute 5 km bis zum Meer sind, ist faszinierend.
Noch immer liegt ein Drittel der Stadt begraben und wartet darauf erforscht zu werden. Erst 2020 wurde eine riesige Villa freigelegt und restauriert. Es wurde eine Dachkonstruktion darüber gebaut und ein Gerüst, sodass man den Arbeiten von oben zusehen kann. Und so liegen wohl noch viele Schätze vergraben, erhalten über 2000 Jahre und bereit für einen Blick in die Vergangenheit.
Wenn du jemals Neapel besuchst, mach einen Ausflug nach Pompeji, es lohnt sich durch die Straßen zu schlendern, durch die die Römer gegangen sind, es lohnt sich auch im Amphitheater am Rande der Stadt zu stehen. Es gilt übrigens als das älteste bisher bekannte Amphitheater des Römischen Reichs und während der Sommermonate finden hier einige Live-Konzerte statt.
Vielleicht schaffen wir ja nächsten Sommer den Besuch eines Konzerts dort. Dann sieht uns Pompeji auf jeden Fall wieder!
Sonntag, 31. August 2025 von Eva BUTTAZZONI