01.11.2025 MATERA – wo die Steine Geschichten erzählen

Eva BUTTAZZONI Samstag, 1. November 2025 von Eva BUTTAZZONI

Es gibt Städte, die man besucht, und es gibt Städte, die einen berühren. Matera gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Im Herzen der süditalienischen Region Basilikata gelegen, wirkt die Stadt wie aus der Zeit gefallen – und doch lebendig wie kaum ein anderer Ort. Bekannt als die „Stadt der Sassi“, sind ihre steinernen Höhlenwohnungen mehr als nur historische Relikte: Sie erzählen von tausenden Jahren Menschheitsgeschichte, von Überleben, Armut und kultureller Wiedergeburt.

Die faszinierende Geschichte der Sassi (Steine)

Matera ist eine der ältesten dauerhaft bewohnten Städte der Welt – seit etwa 9.000 Jahren leben Menschen hier in den Felsen. Über Jahrtausende wuchsen ganze Viertel in den Tuffstein hinein, verschachtelt, übereinander, labyrinthartig. Im Mittelalter entstanden Kirchen, Plätze und Straßen, die bis heute erhalten sind.

Doch die Geschichte der Stadt ist nicht nur romantisch: In den 1950er Jahren galten die Lebensbedingungen der Höhlen als untragbar. Die italienische Regierung zwang die Bewohner, die Sassi zu verlassen, und Matera geriet Jahrzentelang in Vergessenheit. Erst ab den 1980er Jahren begann die Wiederbelebung – heute ist Matera UNESCO-Welterbe und ein Symbol dafür, wie Vergangenheit und Moderne harmonisch verschmelzen können.

Die Sassi di Matera: ein Labyrinth aus Stein

Wer Matera besucht, tut das am besten zu Fuß, denn überall gibt es kleine Treppen, versteckte Plätze und Aussichtsplattformen mit fantastischen Blicken auf die Sadt und die Höhlen am Berg gegenüber, jenseits der Schlucht. Es ist schwer zu beschreiben, trotz der Touristen strahlt die Stadt etwas Ruhiges, Geheimnisvolles, fast Mystisches aus. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann mit einem der Tuk Tuks Teile der Stadt besichtigen, doch Vieles wird ihm entgehen.

Zwei Hauptviertel prägen die Stadt: Sasso Caveoso und Sasso Barisano. Die Häuser, in den Felsen gehauen und übereinander gebaut, wirken wie ein architektonisches Wunderwerk. Leicht kann man sich im Gewirr der Gassen verlaufen und die Orientierung verlieren.

Bäckereimuseum in einer Grotta

Bäckereimuseum in einer Grotta

Hier wird die Geschichte des "pane di Matera", des Materabrotes dargestellt

Wir kamen Freitag Abend an, als es bereits dunkel war. Unser erster Blick war der auf eine Stadt aus Stein, erleuchtet von tausend Lichtern. Wir wussten bereits, dass hier mehrere Filme gedreht worden waren und verstanden auch warum. Die Kulisse ist einzigartig, die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein und würde man nicht aus einigen Bars moderne Musik hören, würde man sich fast im Jerusalem zur Zeit Jesu glauben. Nachvollziehbar, dass Matera der Drehort für „Die Passion Christi“ (2004) unter der Regie von Mel Gibson war.

Auch viele italiensiche Filme wurden hier gedreht, ebenso wie der James Bond Film „Keine Zeit zu sterben“ (2021) mit Daniel Craig.

Gleich am ersten Abend besuchten wir die Casa Grotta di Vico Solitario, ein eingerichtetes Höhlenhaus, das zeigt, wie die Menschen hier früher lebten – es war ein karges Leben in Räumen ohne Licht, gemeinsam mit den eigenen Tieren und Wasser aus Zisternen.

Danach ließen wir uns durch die Stadt treiben, ein erstes Ankommen in dieser Schönheit hier, wo zu spüren ist, dass die Menschen ihre Stadt lieben, wo Künstler zu Hause sind und in den Restaurants traditionelle Speisen aus der Region angeboten werden.

In einer Casa Grotta lernten wir dass es sogar ein eigenes Brot mit einer besonderen Form gibt, das Pane di Matera, gebacken nur aus Gries, Mehl, Wasser und Salz – außen mit einer dicken, knusprigen Kruste, innen saftig und weich.

Matera am Morgen

Matera am Morgen

Ein Blick auf Matera im goldenen Morgenlicht ist besonders berührend.

Der Samstag morgen begann mit einem ganz liebevoll hergerichteten Frühstück in unserer Unterkunft, die wir sehr gerne weiterempfehlen – nahe am Zentrum gelegen, familiär und unterstützend in jeder Hinsicht.

Dann ging es los, zunächst wieder in die verschlungenen Gassen der Sassi, um von dort hinabzusteigen in die Schlucht, über eine Hängebrücke und dann hinauf auf den gegenüberliegenden Hang, an dessen Weg noch zahlreiche verlassene Höhlen und eine Felsenkirche zu besichtigen sind. Am besten bricht man möglichst zeitig dahin auf, denn im Laufe des Vormittags pilgern mehr und mehr Menschen zum Belvedere di Murgia Timone – dem Aussichtspunkt am höchsten Punkt auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht. Von dort hat man einen spektakulären Blick auf die Stadt.

Was man vielleicht beachten sollte, wenn man diesen Weg geht, er ist steil, zum Teil mit Stufen aus Fels, zum Teil etwas rutschig. Gutes Schuhwerk wäre hier von Vorteil… Wäre es nicht gefährlich, wäre es lustig, die Menschen zu beobachten, die sich in Flipflops und Stöckelschuhen abmühen und dabei die interessantesten Möglichkeiten finden, das unwegsame Gelände zu bewältigen.

Gemeinsam mit Robin

Gemeinsam mit Robin

Warum uns diese Wanderung aber neben der wunderbaren Blicke auf Höhlen, Schlucht und Stadt in besonderer Erinnerung bleiben wird, ist eine Zufallsbegegnung. Gerade am Weg zur Hängebrücke trafen wir auf Robin, eine Australierin, die ganz alleine unterwegs war. Wir kamen ins Reden und da war eine Verbindung… als würden wir uns schon ewig kennen. Als sich unsere Wege oben am Aussichtspunkt schließlich wieder trennten und wir uns zum Abschied umarmten, war es warm in unseren Herzen – dankbar für diesen Tag, diese Stadt und diese besondere Begegnung. Man trifft sich im Leben immer dreimal, heißt es, wer weiß… es wäre schön!

Am Nachmittag erkundeten wir den zweiten Stadtteil, sahen uns eine der alten in den Stein gehauenen Zisternen an, über der mittlerweile ein Haus gebaut wurde und gegen Abend waren wir so überfüllt mit Eindrücken, dass wir nur noch müde ins Bett fielen.

unsere Tipps für Matera:

  • Unsere Unterkunft:

    h-sa GUEST HOUSE, Via Pasquale Vena 87, 75100 Matera

  • Beste Reisezeit:

    Frühling oder Herbst – dann ist das Licht magisch und die Temperaturen angenehm.

  • Dauer des Besuchs:

    Mindestens 2 Tage, um die Stadt wirklich zu erleben.

  • Schuhe:

    Bequeme, rutschfeste Schuhe – die Gassen sind steil und oft uneben.

  • Das Restaurant

    in dem wir gleich zwei Mal gegessen haben, weil wir die einfache und doch so schmackhafte regionale Art zu kochen so gut fanden: Osteria Pane & Pomodoro, 24 Bis Sasso Caveoso

  • Besondere Momente:

    Sonnenauf- und -untergang bieten das spektakulärste Licht für Fotos oder einfach zum Staunen. Aber auch bei Nacht ist die Stadt sehenswert.

  • Für Filmfans:

    Matera diente als Kulisse für Filme wie Die Passion Christi oder James Bond – No Time To Die.

Sehenswürdigkeiten, die man nicht verpassen sollte

  • Sehenswürdigkeiten

    Felsenkirchen (Chiese Rupestri): Kleine, in Stein gehauene Kirchen mit byzantinischen Fresken, wie Santa Lucia alle Malve oder Santa Maria de Idris.

  • Sehenswürdigkeiten

    Kathedrale von Matera (Duomo di Matera): Auf der höchsten Erhebung der Stadt gelegen, mit einem atemberaubenden Blick über die Sassi.

  • Sehenswürdigkeiten

    Belvedere di Murgia Timone: Der perfekte Aussichtspunkt für Panorama-Aufnahmen der Stadt und der Schlucht.

  • Sehenswürdigkeiten

    Museo Nazionale Ridola: Für alle, die in die archäologischen Schätze Materas eintauchen möchten.

aus unzähligen Bildern haben wir diese sechs, als "Best of Matera" für euch ausgewählt

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