Mittwoch, 13. Mai 2026 von Eva & Roland
Marsala und Erice entdecken – Unsere Highlights in Westsizilien
Zwischen Salinen, Tempeln und Marsala-Wein – Kurztrip nach Westsizilien
Unsere zwei Tage in Marsala waren geprägt von beeindruckenden Landschaften, historischen Orten und sizilianischem Flair. Bereits auf der Anreise besuchten wir die Tempel von Selinunte und spazierten später entlang der stimmungsvollen Salinen mit ihren Windmühlen. Ein Ausflug ins nebelverhangene Erice, der Besuch des Museo del Sale und ein gemütlicher Abend mit einem Glas Marsala-Wein machten den Aufenthalt perfekt.
INHALTSVERZEICHNIS
- Parco Archeologico Selinunte - 2.500 Jahre Geschichte
- Unsere Unkterkunft in der Nähe eines sizilianischen Heurigen
- Erice oft im Nebel, einst Mafiahochburg
- Erice in Bildern
- Die Salinen zwischen Trapani und Marsala
- Die Salinen zwischen Trapani und Marsala in Bildern
- Spaziergang durch Marsala
- Unser Video über "Zwei Tage in Marsala – Salinen, Wein und sizilianische Atmosphäre"
Parco Archeologico Selinunte - 2.500 Jahre Geschichte
Die Tempel von Selinunte
Die beeindruckenden Ruinen der griechischen Tempel von Selinunte zählen zu den bedeutendsten antiken Stätten Siziliens. Vor der Küstenlandschaft wirken die mächtigen Säulen noch heute faszinierend und vermitteln einen Eindruck der einstigen Größe der Anlage.
Erst gestern waren wir im Tal der Tempel in Agrigento und wir waren tief beeindruckt. „Besser geht es nicht“, dachten wir und dann, eigentlich ungeplant, auf unserem Weg nach Marsala, beschlossen wir spontan Zwischenstation im Parco Archeologico Selinunte zu machen. Wir wussten nicht viel, waren nicht vorbereitet und kamen einmal mehr aus dem Staunen nicht heraus.
Anders als im Tal der Tempel, ist dieses Anlage eine, die zum greifen nah ist. Man darf in jeden Tempel gehen, jeden Stein anfassen, jede Säule berühren. So nah zu sein, mitten in diesen riesigen Anlagen zu stehen, nicht getrennt durch Absperrungen, lässt diese Stätten real werden. Man bekommt ein Gefühl, wie sich die Menschen fühlten, die damals hier lebten und bekommt einen Eindruck, wie groß und machtvoll hier alles einmal war.
2.500 Jahre Geschichte eröffnen sich vor einem — und plötzlich ist das antike Griechenland nicht mehr nur ein Kapitel im Geschichtsbuch, sondern ein Ort, den man betreten kann.
Parco Archeologico di Selinunte war einst eine der mächtigsten griechischen Städte Siziliens. Gegründet wurde Selinunt vermutlich im 7. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Siedlern aus Megara Hyblaea an der Ostküste Siziliens. Die Stadt lag strategisch günstig zwischen zwei Flüssen und direkt am Meer — reich durch Handel, Landwirtschaft und ihre wichtige Rolle als Grenzstadt zwischen der griechischen und der phönizisch-karthagischen Welt.
Tempel E - Tempel Hera gewidmet
Unsere Route begann bei den Tempeln im östlichen Bereich der Anlage — den gewaltigsten und vielleicht eindrucksvollsten Bauten Selinunts.
Wenn man heute durch die gewaltigen Tempelanlagen läuft, versucht man sich vorzustellen, wie hier einst Tausende Menschen lebten: Händler, Handwerker, Priesterinnen, Fischer, Steinmetze und Soldaten. Zwischen den Tempeln standen Wohnhäuser, Werkstätten, Speicher und Märkte. Die Straßen waren voller Stimmen, Tiere, Rauch aus Öfen und dem Geruch des Meeres. Die Tempel waren dabei nicht nur religiöse Orte, sondern Ausdruck von Macht, Wohlstand und Selbstbewusstsein. Jede Säule, jeder Stein sollte zeigen: Diese Stadt ist bedeutend.
Und genau dieses Gefühl spürt man bis heute.
Tempel E - Tempel Hera gewidmet
Tempel E - Tempel Hera gewidmet
Tempel E ist heute der bekannteste und am besten rekonstruierte Tempel der Anlage. Seine mächtigen Säulen ragen wieder vollständig in den Himmel und geben eine Ahnung davon, wie monumental Selinunt einst ausgesehen haben muss. Wahrscheinlich war der Tempel Hera gewidmet, der Göttin der Ehe und Familie. Besonders beeindruckend ist, dass große Teile des Tempels erst in den 1950er Jahren wieder aufgerichtet wurden — ein gigantisches archäologisches Puzzle aus tonnenschweren Steinblöcken.
Hier wird zum ersten Mal klar, welche technischen Fähigkeiten die Griechen bereits vor 2.500 Jahren besaßen.
Tempel F - vermutlich Athena oder Dionysos gewidmet
Tempel F - vermutlich Athena oder Dionysos gewidmet
Direkt daneben liegt Tempel F — deutlich geheimnisvoller und roher. Viele Säulen liegen noch dort, wo sie einst einstürzten. Man vermutet, dass der Tempel Athena oder Dionysos gewidmet war. Anders als Tempel E wirkt er fast wie eingefroren im Moment seines Untergangs. Gerade das macht ihn unglaublich faszinierend.
Tempel G - Tempel des Zeus
Tempel G - Tempel des Zeus
Und dann steht man plötzlich vor Tempel G — oder besser gesagt vor seinen Überresten. Dieser Tempel war einer der größten der gesamten griechischen Welt. Die Säulen waren so gigantisch, dass man sich als Mensch winzig fühlt. Vollendet wurde er wahrscheinlich nie. Heute liegen die gewaltigen Trommeln der Säulen kreuz und quer über das Gelände verteilt, als hätte ein Riese sie umgeworfen.
Hier spürt man besonders stark die Vergänglichkeit selbst der größten Zivilisationen.
Von dort führt der Weg weiter zur Akropolis — dem eigentlichen Herzen der antiken Stadt.
Die Akropolis von Selinunt
Akropolis von Selinunt liegt spektakulär auf einem Hochplateau direkt über dem Meer. Hier befanden sich nicht nur Tempel, sondern auch Wohnhäuser.
Die Akropolis
Akropolis von Selinunt liegt spektakulär auf einem Hochplateau direkt über dem Meer. Hier befanden sich nicht nur Tempel, sondern auch Wohnhäuser, Verteidigungsanlagen und das politische Zentrum der Stadt. Wenn der Wind vom Mittelmeer heraufzieht und man zwischen den Mauern läuft, kann man sich das Leben hier fast vorstellen.
Kinder spielten in den engen Straßen. Händler brachten Waren aus Afrika, Griechenland oder Karthago. Priester opferten den Göttern. Schiffe liefen im Hafen ein und aus. Selinunt war eine pulsierende Metropole ihrer Zeit.
Tempel A und O
Von Tempel A und Tempel O sind heute vor allem Grundmauern und einzelne Säulen erhalten. Dennoch erkennt man die klare Struktur der griechischen Tempelarchitektur. Besonders spannend ist hier, wie nah man allem kommt. Keine Glasvitrinen, keine Distanz — man steht mitten zwischen den Steinen und spürt förmlich die Geschichte unter den Füßen.
Tempel R und B
Tempel R zählt zu den ältesten Heiligtümern der Stadt. Vermutlich wurden hier schon sehr früh religiöse Rituale durchgeführt, lange bevor Selinunt seine größte Blüte erreichte. Daneben liegt Tempel B, ein kleinerer Tempel aus späterer Zeit, der bereits unter starkem karthagischem Einfluss entstand. Hier vermischen sich Kulturen — griechische Architektur trifft auf die Welt Nordafrikas.
Tempel C
Wahrscheinlich war der Tempel Apollo gewidmet und gehörte zu den wichtigsten Heiligtümern der Stadt.
Tempel C
Besonders eindrucksvoll auf der Akropolis wirkt Tempel C. Einige seiner Säulen wurden wieder aufgerichtet und stehen heute direkt über dem Meer. Wahrscheinlich war der Tempel Apollo gewidmet und gehörte zu den wichtigsten Heiligtümern der Stadt. Von hier blickt man hinaus aufs Mittelmeer — genau dorthin, wo einst die Handelsschiffe ankamen.
Tempel D
Etwas ruhiger und fast melancholisch wirkt Tempel D. Die Überreste sind weniger spektakulär, aber gerade deshalb beginnt man genauer hinzusehen. Man achtet plötzlich auf einzelne Steine, auf Fundamente, auf die Anordnung der Gebäude und versucht, sich den Alltag der Menschen vorzustellen.
Denn Selinunt war nicht nur eine Ansammlung monumentaler Tempel. Es war eine lebendige Stadt.
Doch diese Blüte endete brutal.
409 v. Chr. griffen die Karthager Selinunt an. Die Stadt wurde nach nur wenigen Tagen Belagerung nahezu vollständig zerstört. Zehntausende Menschen starben oder wurden verschleppt. Zwar wurde Selinunt später teilweise wieder besiedelt, doch nie mehr in alter Größe. Erdbeben über die Jahrhunderte ließen schließlich auch die letzten stehenden Tempel einstürzen.
Man läuft nicht durch ein Museum.
Man läuft durch die Überreste einer echten untergegangenen Welt.
Danach versank die Stadt langsam im Sand, überwuchert von Vegetation und vergessen für viele Jahrhunderte.
Erst im 16. Jahrhundert tauchten erste Berichte über die Ruinen auf. Wirklich erforscht wurde Selinunt aber erst ab dem 19. Jahrhundert. Archäologen begannen damit, die gewaltigen Trümmer freizulegen und die Geschichte der Stadt Stück für Stück zu rekonstruieren. Die spektakulärste Restaurierung erfolgte Mitte des 20. Jahrhunderts mit dem Wiederaufbau von Tempel E.
Heute gehört Selinunt zu den größten archäologischen Anlagen Europas — und vielleicht zu den eindrucksvollsten, gerade weil hier vieles nicht perfekt restauriert wurde. Viele Tempel liegen noch immer wie gefallene Giganten in der Landschaft. Genau das macht diesen Ort so besonders.
Man läuft nicht durch ein Museum.
Man läuft durch die Überreste einer echten untergegangenen Welt.
Unsere Unkterkunft in der Nähe eines sizilianischen Heurigen
Ein sizilianischer Heuriger
Man sitzt mitten in den Weinreben, während man ein gutes Glas sizilianischen Weins trinkt und dem Sonnenuntergang über dem Meer zusieht.
Dann ging es weiter nach Marsala zu unserem AirBnB. Wenn man bucht, weiß man manchmal nicht, wohin es einen verschlägt. Manchmal hat man Glück, manchmal warten Überraschungen auf einen. Heute waren wir zunächst gar nicht glücklich. Nach unserem luxuriösen Apartment mit Pool in Agrigento, das nagelneu und wunderschön eingerichtet war, wo wir ganz liebe Leute kennen gelernt hatten und ein paar Stunden am Pool genossen hatten, kamen wir heute in eine ganz andere Gegend. Zwischen Marsala und Trapani liegt ein Paradies für Kitesurfer und genau hier sind wir unwissentlich gelandet.
In ein paar Jahren wird es hier toll sein, noch ist alles eine Mischung zwischen alt und heruntergekommen und jung, sportlich in aufstrebend. Windig und kühl war es, tausend Schirme in der Luft, als wir ankamen und unser Zimmer eher in der Kategorie alt statt jung und aufstrebend.
Am Abend, bei unserem Rundgang durch die Gegend wurden wir nicht glücklicher, bis wir dann auf ein absolutes Juwel stießen. Ein sizilianischer Heuriger, wie Roland ihn nannte, geführt von lauter jungen Menschen, so liebevoll hergerichtet, mit wunderbarem Essen und Wein aus eigenem Anbau. Man sitzt mitten in den Weinreben, während man ein gutes Glas sizilianischen Weins trinkt und dem Sonnenuntergang über dem Meer zusieht. Der Abend war gerettet und morgen, da werden wir uns die Salinen ansehen, das Fleur de Sea Siziliens, Marsala und Erice, hoch über Trapani.
Wir sind gespannt…
Erice oft im Nebel, einst Mafiahochburg
Der Dom von Erice im Nebel
Dichte Wolken und kalter Wind verliehen der Kirche im historischen Zentrum von Erice eine geheimnisvolle Atmosphäre. Zwischen den engen Gassen wirkte der Dom im Nebel beinahe mystisch und unterstrich den mittelalterlichen Charme des Bergdorfes.
Nun ja, nun am Ende des nächsten Tages, muss ich sagen, der Eindruck ist ähnlich geblieben, Kontraste, die verwirren, Sturm und Nebel, dann wieder außergewöhnliche Momente und Staunen.
Mit der Seilbahn fuhren wir hinauf Erice. Je höher wir kamen, desto dichter wurden die Wolkenfetzen, die an uns vorüberzogen und bis wir nichts mehr sahen. Oben stiegen wir aus und wussten - kurze Hose und T-Shirt sind definitiv zu kalt für diesen windigen Ort. Mit Touristengruppen wälzten wir uns durch die Gassen, vorbei an einem Souvenirladen nach dem anderen und an einer Spongebob Figur nach der anderen, platziert, vor wunderschönen alten Gebäuden. Doch ein Gutes hatte es, einer der Läden verkaufte auch Sweatshirts und uns wurde wieder warm. Während auf den touristischen Hauptrouten kleine Museen, die Kathedrale und auch das Castello geöffnet hatte, waren viele andere Sehenswürdigkeiten geschlossen.
Doch warum ist hier so viel Tourismus?
Vielleicht, weil Erice etwas schafft, das nur wenige Orte können: Die Stadt fühlt sich gleichzeitig echt und unwirklich an. Wie aus einer anderen Zeit gefallen. Man läuft durch enge mittelalterliche Gassen aus hellem Stein, vorbei an Innenhöfen voller Blumen, alten Kirchen, kleinen Bäckereien und plötzlich öffnet sich zwischen den Häusern der Blick hinaus aufs Meer — zumindest dann, wenn die Wolken für einen kurzen Moment aufreißen.
Das Castello di Venere
Dort, wo heute das Castello di Venere steht, befand sich einst ein bedeutender Tempel für Venus Erycina.
Und diese Wolken gehören hier offenbar dazu.
Erice liegt mehr als 700 Meter hoch auf einem Berg über Trapani. Während unten am Meer oft Sonne und Hitze herrschen, hängt die Stadt selbst nicht selten mitten in den Wolken. Feuchte Luft vom Meer trifft hier oben auf die kühlen Berghänge und verwandelt die Gassen in eine mystische Nebelwelt. Der Wind pfeift durch die Straßen, Temperaturen sind oft deutlich niedriger als unten an der Küste und man versteht plötzlich, warum hier selbst im Hochsommer viele Menschen mit Jacken unterwegs sind.
Vielleicht macht genau das den Reiz aus.
Denn hinter den Souvenirläden und Touristengruppen verbirgt sich eine Stadt mit einer unglaublich langen Geschichte. Schon die Elymer, eines der ältesten Völker Siziliens, siedelten hier lange vor den Griechen. Später kamen Phönizier, Griechen, Römer, Araber, Normannen und Spanier. Jede Kultur hinterließ ihre Spuren und genau deshalb wirkt Erice heute wie ein architektonisches Puzzle aus Jahrhunderten.
Besonders berühmt war die Stadt in der Antike wegen eines Heiligtums der Liebesgöttin Venus. Dort, wo heute das Castello di Venere steht, befand sich einst ein bedeutender Tempel für Venus Erycina — eine Göttin, die weit über Sizilien hinaus verehrt wurde. Seeleute sollen von weit her gekommen sein, um hier zu opfern und um Schutz für ihre Reisen zu bitten. Die Normannen bauten später auf den Resten dieses Tempels ihre Burg. Deshalb trägt das Kastell bis heute den Namen „Castello der Venus“ — eine Mischung aus Mythologie und Mittelalter.
Quartiere Spagnolo
Das „spanische Viertel“ wurde im 17. Jahrhundert unter spanischer Herrschaft als militärischer Stützpunkt errichtet.
Auch der Name Quartiere Spagnolo erzählt Geschichte. Das „spanische Viertel“ wurde im 17. Jahrhundert unter spanischer Herrschaft als militärischer Stützpunkt errichtet. Damals kontrollierten die Spanier große Teile Süditaliens und Siziliens. Die Anlage diente als Kaserne für Soldaten, die die strategisch wichtige Bergstadt sichern sollten. Heute wirkt das Gelände fast verlassen und geheimnisvoll — besonders im Nebel.
Und dann sind da diese Spongebob-Figuren.
Sie stehen tatsächlich überall. Vor Geschäften, an Hausecken, zwischen jahrhundertealten Fassaden. Einen historischen Hintergrund scheint das nicht zu haben. Eher wirkt es wie eine etwas eigenwillige Mischung aus Touristenmagnet, Popkultur und typisch italienischer Lust an schrillen Dekorationen. Vielleicht auch der Versuch, zwischen all der Geschichte etwas Leichtes und Buntes zu platzieren. Bizarr ist es trotzdem — und irgendwie bleibt genau das im Kopf.
Überhaupt scheint Erice voller Gegensätze zu sein. Heilig und kitschig. Mittelalterlich und touristisch. Still und überlaufen zugleich.
Und ja — auch das Thema Mafia gehört zur Geschichte dieser Region.
Die Gegend rund um Trapani galt über viele Jahrzehnte tatsächlich als eine Hochburg der Cosa Nostra. Besonders in den 1980er- und 1990er-Jahren waren hier einige der mächtigsten Mafiafamilien Siziliens aktiv. Der lange gesuchte Boss Matteo Messina Denaro stammte aus dieser Provinz und konnte sich jahrzehntelang mit Hilfe lokaler Netzwerke verstecken, bevor er 2023 verhaftet wurde. Gerade die ländlichen Regionen zwischen Marsala, Trapani und Castelvetrano standen immer wieder im Zusammenhang mit mafiösen Strukturen.
Als Tourist spürt man davon heute allerdings kaum noch etwas.
So widersprüchlich wie dieses Stadt ist, so widersprüchlich waren auch unsere Gefühle und wir fuhren gerne wieder hinunter ins sonnige Tal.
Erice in Bildern
Kirche und Burg von Erice
Vor der historischen Kirche erhebt sich im Hintergrund die imposante Burg von Erice, die über der sizilianischen Küste thront. Die Kombination aus mittelalterlicher Architektur und der erhöhten Lage verleiht dem Ort eine ganz besondere Atmosphäre.
Souvenirgassen in Erice
Die engen, gepflasterten Gassen von Erice laden mit ihren vielen kleinen Souvenirshops zum Bummeln ein. Zwischen regionalen Spezialitäten, Keramik und handgemachten Andenken zeigt sich der besondere Charme des mittelalterlichen Städtchens.
Ausblick aus der Burg von Erice
Gemeinsam genießen wir den Blick aus einem Fenster der alten Burg über die Landschaft Siziliens. Die historischen Mauern und die weite Aussicht machen diesen Moment zu einer ganz besonderen Erinnerung unseres Besuchs in Erice.
Warmer Einkauf in Erice
Auf rund 700 Metern Höhe zeigte sich Erice von seiner kalten und stürmischen Seite. Deshalb gönnten sich uns kurzerhand einen warmen Sweater in einem der kleinen Souvenirläden der Altstadt.
Die Piazza von Erice
Die gemütliche Piazza im Herzen von Erice ist umgeben von historischen Gebäuden, kleinen Cafés und engen Gassen. Trotz der tiefhängenden Wolken herrschte auf dem Platz eine ganz besondere mittelalterliche Atmosphäre.
Eva auf der Piazza von Erice
Eva genießt die besondere Stimmung auf der historischen Piazza von Erice, während im Hintergrund die alten Gebäude und engen Gassen des Bergdorfes zu sehen sind. Die tiefhängenden Wolken verleihen dem Platz eine fast mystische Atmosphäre.
Die Salinen zwischen Trapani und Marsala
Salinen mit Windmühle in Nubia, nicht weit von Trapani entfernt
Die weitläufigen Salinen mit ihren flachen Wasserbecken prägen die Landschaft zwischen Marsala und Trapani. Im Hintergrund erinnert die traditionelle Windmühle an die jahrhundertealte Salzproduktion, die diese Region bis heute berühmt macht.
Warum wir eigentlich in dieses Teil Siziliens gekommen sind, sind die Salinen - die Salzproduktion und Marsala mit seinem berühmten Wein.
Im Stadtteil Nubia, nicht weit von Trapani entfernt, liegt das Museo del Sale. Das kleine Museum befindet sich in einer ehemaligen Salzmühle, die jahrhundertelang Teil der Salzproduktion war. Tatsächlich wurde hier bis weit ins 20. Jahrhundert hinein gearbeitet. Erst als industriell erzeugtes Salz billiger wurde und die traditionelle Produktion wirtschaftlich immer schwieriger wurde, verlor die Anlage ihre ursprüngliche Funktion. Statt die alte Mühle verfallen zu lassen, verwandelte man sie in ein Museum — und bewahrte damit ein Stück sizilianischer Geschichte.
Drinnen sieht man alte Werkzeuge, Transportkörbe, Schaufeln und Holzgeräte, mit denen das Salz geerntet wurde. Besonders eindrucksvoll ist die große Windmühle selbst. Sie war früher das Herzstück der Anlage. Mit ihrer Kraft wurde Meerwasser von einem Becken ins nächste gepumpt.
Und diese Becken prägen die Landschaft bis heute.
Zwischen Trapani und Marsala erstrecken sich kilometerweit die sogenannten Salinen — flache Salzbecken, in denen Meerwasser durch Sonne und Wind langsam verdunstet. Je weiter das Wasser durch die einzelnen Becken geleitet wird, desto höher wird der Salzgehalt, bis schließlich die weißen Salzkristalle zurückbleiben. Manche Becken schimmern rosa, andere silbrig oder golden, je nach Licht, Wasserstand und den Mikroorganismen im Wasser.
Historische Technik im Museo del Sale
Der massive Holzbalken und das große Zahnrad zeigen eindrucksvoll, mit welcher Technik früher in den Salinen gearbeitet wurde. Im Salzmuseum erfährt man viele spannende Details über die traditionelle Salzgewinnung und das harte Arbeitsleben der Menschen in dieser Region.
Die Salzgewinnung hat hier eine unglaublich lange Tradition. Bereits die Phönizier nutzten die flachen Küstengebiete rund um Trapani zur Salzproduktion, später perfektionierten Römer und Araber die Techniken. Über Jahrhunderte war Salz eines der wertvollsten Handelsgüter überhaupt — unverzichtbar zum Konservieren von Lebensmitteln, lange bevor es Kühlschränke gab. Trapani wurde dadurch reich und bedeutend.
Und plötzlich versteht man auch den Wind.
Denn ohne Wind gäbe es diese Salinen nicht. Der stetige Luftzug beschleunigt die Verdunstung des Wassers und trieb früher gleichzeitig die Mühlen an. Dass es hier oft extrem windig ist, ist also völlig normal. Gerade an der Westküste Siziliens treffen verschiedene Luftströmungen vom Mittelmeer aufeinander. Besonders der Scirocco aus Afrika oder der kräftige Mistral können die Gegend regelrecht durchpeitschen. Für die Kitesurfer ist das ein Paradies — für uns fühlte es sich manchmal eher nach Herbststurm als nach Sizilienurlaub an.
Und trotzdem hat diese Landschaft etwas Magisches.
Die weißen Salzberge, die alten Windmühlen, das flache Wasser, in dem sich Himmel und Wolken spiegeln— all das wirkt fast unwirklich. Besonders gegen Abend, wenn die Sonne tief steht und alles in rosa und goldene Farben taucht, versteht man, warum dieser Landstrich trotz seiner Rauheit so viele Menschen fasziniert.
Die Salinen zwischen Trapani und Marsala in Bildern
Windmühle der Salinen bei Nubia
Die traditionellen Windmühlen spielten früher eine zentrale Rolle bei der Salzproduktion. Mit ihrer Kraft wurde das Meerwasser von Becken zu Becken gepumpt, damit es durch Sonne und Wind langsam verdunsten konnte und am Ende das wertvolle Meersalz zurückblieb.
Historischer Mühlstein im Museo del Sale
Der schwere Mühlstein ist ein Zeugnis der traditionellen Arbeitsweise in den Salinen. Solche Steine wurden früher genutzt, um mechanische Kräfte zu übertragen und verschiedene Arbeitsabläufe der Salzproduktion zu unterstützen.
Historischer Ziehwagen der Salinen
Mit solchen Ziehwagen wurde das geerntete Salz früher mühsam durch die Salinen transportiert. Bevor moderne Maschinen eingesetzt wurden, erfolgte die Arbeit fast ausschließlich von Hand oder mit Unterstützung von Tieren – ein harter Alltag, der die Salzgewinnung über Jahrhunderte prägte.
Antriebswelle und Zahnkranz der alten Windmühle
Die massive Welle und der hölzerne Zahnkranz waren zentrale Bestandteile der historischen Windmühlen in den Salinen. Mit Hilfe der Windkraft wurde die Mechanik in Bewegung gesetzt, um Meerwasser zwischen den Becken zu transportieren und so die traditionelle Salzgewinnung überhaupt erst möglich zu machen.
Sizilianischer Genuss am Museo del Sale
Im angrenzenden Lokal des Salzmuseums genossen wir fantastische sizilianische Spezialitäten in besonderer Atmosphäre. Frische Zutaten, regionale Küche und der Blick auf die Salinen machten das Essen zu einem echten Highlight unseres Besuchs.
Spaziergang durch Marsala
Unterwegs in der Altstadt von Marsala
Die historische Altstadt von Marsala begeistert mit ihren engen Gassen, warmen Fassaden und dem typisch sizilianischen Flair. Zwischen kleinen Geschäften, Cafés und Weinbars lässt sich die Stadt wunderbar bei einem gemütlichen Spaziergang entdecken.
Ein Punkt stand noch auf unserer To do Liste - Marsala. Wir hatten so viel vom Marsala-Wein gehört, überall in der Gegend gibt es Weinanbau, wir wollten ihn probieren, hier, wo er seinen Ursprung hat. Die Stadt selbst ist nur in ihrem kleinen Zentrum schön und dieses hat man schnell durchwandert. Doch auch hier gibt es eine mächtige Kathedrale, wie bisher in jeder Stadt, die wir besichtigt haben und sehr schön ist auch die Flaniermeile mit vielen schönen Geschäften, Weinbars und Kunsthandwerk. Auch der Sturm, der auf der eigentlich schönen Promenade dem Meer entlang die Wellen aufpeitscht, ist in der Innenstadt mit einem Schlag weg. Ein kleines, feines Stadtzentrum, dem wir nicht viel Zeit gewidmet haben, das aber schön für einen Spaziergang war.
Doch hinter der ruhigen Fassade steckt eine Stadt mit großer Geschichte.
Marsala hieß ursprünglich Lilybaeum und wurde von den Phöniziern gegründet. Später war die Stadt eine der wichtigsten Bastionen der Karthager auf Sizilien, bevor sie von den Römern erobert wurde. Durch ihre Lage an der äußersten Westspitze der Insel war Marsala über Jahrtausende ein bedeutender Hafen- und Handelsort — ein Platz, an dem Kulturen aus Afrika, Spanien, Italien und dem Orient zusammentrafen.
Heute kommt man allerdings vor allem wegen eines anderen berühmten Exportprodukts hierher: Marsala-Wein.
Die Piazza im Herzen von Marsala
Die lebendige Piazza von Marsala ist umgeben von historischen Gebäuden, Cafés und kleinen Geschäften. Hier trifft man sich zum Flanieren, auf ein Glas Marsala-Wein oder einfach, um das entspannte sizilianische Lebensgefühl zu genießen.
Interessanterweise verdankt der Wein seinen internationalen Erfolg ausgerechnet einem Engländer. Ende des 18. Jahrhunderts landete der britische Händler John Woodhouse in Marsala und probierte den lokalen Wein. Er erkannte sofort Ähnlichkeiten zu Sherry und Portwein, die damals in England sehr beliebt waren. Um den Wein für den langen Transport haltbarer zu machen, wurde er mit Alkohol verstärkt — ähnlich wie Portwein. So entstand der Marsala, wie man ihn heute kennt.
Plötzlich wurde aus einem regionalen Wein ein internationales Exportprodukt.
Rund um Marsala entstanden große Weinkellereien, prächtige Cantine und Handelshäuser. Der Wein machte die Region wohlhabend. Noch heute wachsen überall zwischen den Salinen und dem Meer Reben, geformt von Sonne, Wind und salziger Luft. Genau dieses Klima gibt dem Wein seinen besonderen Charakter.
Marsala gibt es in unterschiedlichsten Varianten — trocken, halbtrocken oder süß, bernsteinfarben, golden oder rubinrot. Viele kennen ihn nur aus der Küche für Saucen oder Desserts wie Zabaglione, doch guter Marsala ist viel mehr als ein Kochwein. Besonders die lange gereiften Varianten entwickeln intensive Aromen von Trockenfrüchten, Karamell, Nüssen und Gewürzen.
Und irgendwie passt dieser Wein perfekt zu dieser Gegend.
Nichts hier wirkt geschniegelt oder geschniegelt-touristisch perfekt. Alles hat Ecken, Geschichte, Windspuren und Patina. Die Häuser, die Salinen, die alten Weinkeller — selbst die Luft schmeckt manchmal leicht nach Salz und Sonne zugleich.
Vielleicht ist Marsala deshalb kein Ort, der einen sofort überwältigt.
Aber einer, der langsam wirkt. Mit einem Glas Wein in der Hand, irgendwo zwischen den alten Gassen oder mit Blick auf das Meer, beginnt man zu verstehen, warum Menschen seit Jahrhunderten genau hier geblieben sind.
Spaziergang durch Marsala in Bildern
Capo Boeo – Die westlichste Spitze Siziliens
Capo Boeo gilt als der westlichste Punkt Siziliens und war schon in der Antike von großer Bedeutung. Hier befand sich einst das phönizische und später römische Lilybaeum – ein wichtiger Hafen- und Handelsplatz im Mittelmeerraum.
Monumento ai Mille
Das Monument erinnert an die Landung von Giuseppe Garibaldi und seinen „Tausend“ im Jahr 1860 in Marsala. Dieses Ereignis gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zur Einigung Italiens und machte die Stadt zu einem bedeutenden Ort der italienischen Geschichte.
Porta Garibaldi
Die historische Porta Garibaldi bildet bis heute einen der eindrucksvollsten Zugänge zur Altstadt von Marsala. Das barocke Stadttor erinnert an die lange Geschichte der Stadt und wurde nach Giuseppe Garibaldi benannt, dessen Landung in Marsala eng mit der Einigung Italiens verbunden ist.
Porta Garibaldi – Historisches Stadttor von Marsala
Die Porta Garibaldi wurde im 18. Jahrhundert als repräsentatives Stadttor errichtet und war einst einer der wichtigsten Zugänge zur befestigten Altstadt von Marsala. Ihren heutigen Namen erhielt sie zu Ehren von Giuseppe Garibaldi, der 1860 mit seinen „Tausend“ in Marsala landete und damit einen entscheidenden Beitrag zur Einigung Italiens leistete.
Gewaltiger Ficus in Marsala
Der riesige Ficus-Baum beeindruckt mit seinem mächtigen Stamm und den weit ausladenden Ästen. Solche jahrzehntealten Bäume prägen vielerorts die Plätze Siziliens und spenden selbst an heißen Tagen angenehmen Schatten.
Historischer Turm in der Altstadt von Marsala
Der markante viereckige Turm erinnert an die lange und bewegte Geschichte Marsalas. Solche befestigten Bauwerke dienten früher der Verteidigung und waren Teil der historischen Stadtbefestigung des einst bedeutenden Hafenortes.
Marsala-Weinverkostung in Marsala
Natürlich durfte bei unserem Besuch auch eine Verkostung des berühmten Marsala-Weins nicht fehlen. In einer kleinen Vinothek probierten wir verschiedene Sorten und nahmen schließlich einige Flaschen als Erinnerung an unseren Aufenthalt mit nach Hause.
Historischer Panzer in Marsala
Der ausgestellte Panzer erinnert an die Zeit des Zweiten Weltkriegs, als Sizilien im Jahr 1943 Schauplatz der alliierten Invasion wurde. Besonders der Westen der Insel spielte damals eine wichtige strategische Rolle und viele Städte bewahren bis heute Denkmäler und Militärfahrzeuge als Erinnerung an diese bewegte Epoche der italienischen Geschichte.
Bunter Bunker an der Küste von Marsala
Der ehemalige Bunker am Strand erinnert an die militärische Vergangenheit Siziliens während des Zweiten Weltkriegs. Heute sorgt die farbenfrohe Bemalung in Regenbogenfarben für einen spannenden Kontrast zwischen historischer Architektur und moderner Straßenkunst.
Unser Video über "Zwei Tage in Marsala – Salinen, Wein und sizilianische Atmosphäre"
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