Sonntag, 5. April 2026 von Eva BUTTAZZONI
Zwischen Geschichte und Moderne: L’Aquila im Wandel
L’Aquila blüht wieder auf: Ein Symbol für Neuanfang
Am 6. April 2009 erschütterte um 3:32 Uhr morgens ein Erdbeben der Stärke 6,3 L’Aquila, eine Stadt in den Abruzzen, die über Jahrhunderte Bestand gehabt hatte – mit ihren Palästen, Kirchen und Häusern, gebaut mit dicken Mauern, großen Portalen und wunderschönen Verzierungen. In wenigen Sekunden wurde zerstört, was über hunderte Jahre gewachsen war. 309 Menschen verloren ihr Leben, mehr als 60.000 Menschen ihre Heimat, und große Teile der Stadt lagen in Trümmern.
Eine Stadt zwischen Schmerz und Neubeginn: L’Aquila
Verborgene Schönheit: L’Aquila wartet auf Besucher
Piazza del Duomo in L’Aquila – das Herz der Altstadt schlägt wieder. Zwischen historischen Fassaden und lebendigem Treiben erzählt der Platz von Vergangenheit, Wandel und neuer Hoffnung.
Was war passiert?
Das Epizentrum lag nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt. Die Erschütterungen trafen nicht nur L’Aquila selbst, sondern das gesamte Umland tief hinein in die Abruzzen. Zahlreiche Dörfer wurden schwer beschädigt, manche fast vollständig zerstört. Besonders hart traf es die historische Altstadt: Kirchen stürzten ein, Palazzi wurden unbewohnbar, ganze Straßenzüge mussten gesperrt werden. Vielerorts blieben zunächst nur die Fassaden stehen, während dahinter alles eingestürzt war.
Heuer, 16 Jahre später, erstrahlt L’Aquila in neuer Schönheit. Mit unglaublichem Aufwand wurden die Häuser stabilisiert, restauriert und wieder aufgebaut. Noch heute sieht man abseits der großen Straßen die gewaltigen Kräne, die Stahlträger, die Mauern vor dem Zusammenbrechen bewahren, und die starken Stahlseile, die quer durch die Häuser gespannt wurden. Diese sichtbaren Narben erzählen noch immer von jener Nacht. Mancherorts stehen noch Ruinen – Häuser, für deren Wiederaufbau Geld, Zeit oder vielleicht auch eine neue Zukunft noch fehlen.
Und doch: Die Menschen haben sich ihre Stadt zurückgeholt.
Eine Stadt zwischen Schmerz und Neubeginn: L’Aquila
Schäden nach dem Erdbeben noch sichtbar
Auch Jahre nach dem Erdbeben sind in L’Aquila die Zerstörungen noch deutlich zu sehen.
Viele Gebäude tragen weiterhin Spuren der Katastrophe, und Teile der Altstadt sind bis heute geprägt davon.
Als wir am Abend des 4. April ankamen, wurden wir sofort Teil dieser neuen Lebendigkeit. Jugendliche treffen sich in der Fußgängerzone, spazieren miteinander auf und ab, lachen, rauchen und bevölkern die zahlreichen Bars. Es war kalt, doch niemand lässt sich davon abhalten. Jeder Tisch ist besetzt, und wenn kein Platz mehr ist, steht man eben auf der Piazza – mit Haube und dicker Jacke – und feiert das Leben.
Als wir am ersten Abend bei Dunkelheit durch die neu aufgebaute Fußgängerzone spazierten, hatten wir ein eigenartiges Gefühl. Die alten Gebäude wirkten sauber, glatt und fast makellos restauriert, beinahe wie eine Filmkulisse. Ein trauriges Gefühl mischte sich in unser Staunen, weil so sichtbar wurde, dass hier einmal einfach alles zerstört gewesen war. Gleichzeitig empfanden wir tiefe Bewunderung – für die Liebe, die Sorgfalt und die enorme Leistung, die in den Erhalt und den Wiederaufbau dieser Stadt geflossen sind.
Gerade deshalb scheint es fast symbolisch, dass L’Aquila in diesem Jahr und besonders als Kulturhauptstadt 2026 mit einem dichten Programm aus Ausstellungen, Konzerten, Theater, geöffneten historischen Palazzi und Veranstaltungen wieder ins Licht rückt. Die Stadt nutzt dieses Jahr ganz bewusst, um ein neues Bild von sich zu zeigen: nicht mehr nur die „zerstörte Erdbebenstadt“, als die sie lange wahrgenommen wurde, sondern eine Stadt der Kunst, der Geschichte und der neuen Lebenskraft. Für 2026 sind hunderte Veranstaltungen über viele Monate geplant, verteilt über die Stadt und die umliegenden Orte.
Und vielleicht ist genau das notwendig. Denn Viele verbinden L’Aquila bis heute vor allem mit dem Erdbeben und haben die Stadt als und macht sichtbar, was heute längst wieder da ist: eine wunderschöne, geschichtsträchtige und überraschend lebendige Stadt, die sich ihr Herz zurückerobert hat.
L’Aquila in Bildern
Kathedrale von L’Aquila
Die Kathedrale von L’Aquila, auch bekannt als Cattedrale dei Santi Massimo e Giorgio, wurde beim Erdbeben stark beschädigt und aufwendig restauriert. Heute steht sie als eindrucksvolles Symbol für den Wiederaufbau und die Geschichte der Stadt.
Die imposante Festung Forte Spagnolo
Die imposante Festung Forte Spagnolo prägt aus der Luft das Stadtbild von L’Aquila mit ihrer markanten, symmetrischen Form. Sie gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Renaissance in der Region und zeugt von der historischen Stärke der Stadt.
Cattedrale dei Santi Massimo e Giorgio
Auf der zentralen Piazza von L’Aquila erstrahlt die restaurierte Cattedrale dei Santi Massimo e Giorgio wieder in neuem Glanz. Sie symbolisiert eindrucksvoll den Wiederaufbau der Altstadt und die Rückkehr des städtischen Lebens.
Lebendige Fußgängerzone im Herzen der Altstadt
Die Fußgängerzone von L’Aquila lädt mit ihren charmanten Gassen und Cafés zum Verweilen ein. Zwischen historischen Fassaden und neuem Leben verbindet sie Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise.
Das Portal der Festung Forte Spagnolo
Das imposante Eingangsportal der Forte Spagnolo beeindruckt mit massiven Mauern und historischer Wehrarchitektur. Es vermittelt bereits beim Betreten einen Eindruck von der einstigen Stärke und strategischen Bedeutung der Festung in L’Aquila.
Das Mammut in der Burg von L’Aquila
In der Festung Forte Spagnolo wird ein beeindruckendes Mammutskelett ausgestellt, das Besucher in die Urzeit zurückversetzt. Das Exponat im Museo Nazionale d'Abruzzo zählt zu den bedeutendsten archäologischen Funden der Region.
Die Festung Forte Spagnolo – Wahrzeichen von L’Aquila
Die Forte Spagnolo zählt zu den eindrucksvollsten Bauwerken von L’Aquila und prägt mit ihrer massiven Struktur das Stadtbild. Als Renaissance-Festung erbaut, steht sie heute sowohl für die bewegte Geschichte als auch für die kulturelle Bedeutung der Stadt.
Sichtbare Spuren des Erdbebens in L’Aquila
Auch Jahre nach dem Erdbeben sind in L’Aquila noch immer Spuren der Zerstörung sichtbar. Risse in Fassaden und teils unrestaurierte Gebäude erinnern eindrucksvoll an die verheerenden Ereignisse von 2009.
L’Aquila zwischen Stadt und Bergen
Die Kathedrale von L’Aquila ragt im Vordergrund der Luftaufnahme hervor und prägt das historische Stadtbild. Im Hintergrund bilden die schneebedeckten Berge der Gran Sasso eine beeindruckende Kulisse.
Flanieren durch die neu erwachte Altstadt
In der Fußgängerzone von L’Aquila pulsiert heute wieder das Leben zwischen Geschäften, Cafés und historischen Gebäuden. Sie steht sinnbildlich für die gelungene Wiederbelebung der Altstadt nach Jahren des Wiederaufbaus.
Nächtliches Leben in der Altstadt von L’Aquila
Nach Einbruch der Dunkelheit erwacht die Altstadt von L’Aquila zu neuem Leben und füllt sich mit Menschen, Licht und Musik. Bars und Cafés entlang der Fußgängerzone schaffen eine lebendige Atmosphäre, die Einheimische und Besucher gleichermaßen anzieht.
Die alte Universität in der Altstadt von L’Aquila
Die historische Universität im Zentrum von L’Aquila war einst ein wichtiger Ort des studentischen Lebens und der Bildung. Heute erzählen ihre Gebäude von der bewegten Geschichte der Stadt und ihrem Wandel zwischen Zerstörung und Erneuerung.
die Fontana Luminosa
Am Ende der Fußgängerzone von L’Aquila bildet die Fontana Luminosa einen beliebten Treffpunkt. Mit ihrem Wasserspiel und der stimmungsvollen Beleuchtung setzt sie einen besonderen Akzent im Stadtbild.
Sitz des Consiglio Regionale in L’Aquila
Das Gebäude des Consiglio Regionale d’Abruzzo in L’Aquila ist im eindrucksvollen Palazzo dell’Emiciclo untergebracht. Mit seiner markanten halbkreisförmigen Architektur steht es für die politische Bedeutung der Stadt in der Region.
Die Fontana delle 99 Cannelle
Die Fontana delle 99 Cannelle ist eines der bekanntesten Wahrzeichen von L’Aquila. Ihre 99 Wasserspeier stehen symbolisch für die Gründungslegende der Stadt und ihre zahlreichen Ortsteile. (wir haben nur 94 gezählt)
Neben der traditionellen Jause
Begeistert die Küche von L’Aquila mit herzhaften Spezialitäten wie Lammgerichten, Safran aus den Abruzzen und traditionellen Pasta-Variationen.
Wir fühlten uns in L’Aquila mehr als wohl
Die Menschen in L’Aquila sind für ihre herzliche Gastfreundschaft und ihre offene, einladende Art bekannt.